Frau Pausch im Interview: 

Wie werden Kinder und Jugendliche im Katastrophenfall geschützt? 

Zu Beginn des Monats haben wir mit Herrn Süß zum Katastrophenschutz im Allgemeinen gesprochen. Nun widmen wir uns speziell den Kindern. Dafür stand uns Frau Pausch, die Rektorin der Weisendorfer Grundschule für unsere Fragen zur Verfügung.  

Frage: Wenn Sie als Grundschulrektorin an Katastrophen denken, was kommt Ihnen da in den Sinn? Wie unterscheiden sich die Bedarfe von Kindern und Jugendliche von denen von Erwachsenen im Fall von Katastrophen? Was brauchen insbesondere Kinder? 

Frau Pausch: Für den Katastrophenfall aktualisieren wir regelmäßig unser Sicherheitskonzept an der GS Weisendorf für Situationen wie Brandfall, Unwetter, Amoklauf, Unfälle mit Todesfolge. Das sieht beispielsweise im Falle einer Evakuierung ein fest vorgegebenes Szenario vor, das wir einmal im Schuljahr angekündigt und einmal im Schuljahr unangekündigt üben. Dadurch erreichen wir eine gewisse Routine, die im Ernstfall zur Ruhe und Besonnenheit beiträgt, was – und damit wären wir bei Punkt 2 – für Kinder von großer Bedeutung ist.  

Kinder und Jugendliche brauchen in Gefahrensituationen Bezugspersonen, die Souveränität und Sicherheit ausstrahlen. Das nimmt ihnen Angst. Letztendlich hilft dies, geordnete und somit sichere Maßnahmen umzusetzen. Ob sich Kinder und Jugendliche in diesem Punkt gravierend von Erwachsenen unterscheiden, bleibt fraglich. Die Pandemie zeigte, dass wir Erwachsenen im Ausnahmezustand ebenfalls bedachte und verantwortungsvolle Entscheidungsträger brauchen. Nachdem wir jahrelang die Evakuierung des Gebäudes geübt haben, fiel uns auf, dass der Katastrophenfall ebenso während der Außenpause eintreffen könnte. Unwetter ziehen urplötzlich auf und bringen binnen Minuten Windböen, Hagel oder Starkregen. Darüber haben wir im Schuljahr 2025/26 erstmals in einer Lehrerkonferenz diskutiert und einen Evakuierungsplan für die Pausenhöfe zurück ins Schulgebäude erstellt. 

In jedem Fall entlastet hier ein tragfähiges Kommunikationsnetz über unseren Schulmanager ebenso wie über Telefonketten sowie über die Homepage unserer Grundschule beziehungsweise über die Heimat-Info App.   

Frage: An wen können Kinder und Jugendliche sich im Falle von Katastrophen wenden? 

Frau Pausch: Erste Bezugsperson im Falle einer Katastrophe, die während der Unterrichtszeit stattfindet, ist die jeweilige Lehrkraft. Bei Katastrophen, die außerhalb der Unterrichtszeit die Kinder betreffen, ist die Klassenlehrkraft sicherlich die primäre Ansprechperson. Darüber hinaus bietet die Grundschule Weisendorf ein breites Netz an Ansprechpartnern, zu denen die Schulleitung gehört, ebenso die Religionslehrkräfte als Seelsorger, die örtlichen Pfarrer sowie die zuständige Schulpsychologin. Wir können uns wiederum an das Kriseninterventionsteam des Schulamtsbezirks ERH wenden. Auch dafür haben wir im Rahmen einer Lehrerkonferenz ein Konzept entwickelt, das uns in der Vergangenheit durch den einen oder anderen Notfall Schritt für Schritt begleitete.  

Frage: Unternehmen Sie an der Schule Aktivitäten, um die Kinder auf (bestimmte) Katastrophen vorzubereiten? 

Frau Pausch: Diese Frage wurde bereits unter 1. beantwortet und auf die dringende Notwendigkeit der Vorbereitung hingewiesen. Im Schuljahr 2025/26 haben wir erstmals ein Hitzeschutzkonzept entwickelt.  

Im Zuge der Einführung des Zivilschutzes in den Kommunen, werden wir in Zukunft in Kooperation mit dem Sachaufwandsträger Konzepte für weitere Szenarien für „neue“ Katastrophen wie Überschwemmung, Dürre, Stromausfall etc. ausarbeiten.  

Frage: Wo findet man Informationen, um Hilfe zu erhalten? 

Frau Pausch: Die Erfahrung zeigt uns, dass der erste Griff, um Hilfe zu erhalten, der nach dem Telefon unter der Schulnummer ist. Eltern und Kinder kommen im Bedarfsfall mit zentralen Stellen in Weisendorf in Kontakt. Dazu gehört zweifelslos die Grundschule am Ort. Häufig wenden sich Eltern auch zuerst an den Elternbeirat, der wiederum mit der Schulleitung in engem Kontakt steht. 

Frage: Möchten Sie noch besondere Tipps/ Hinweise geben (z.B. an Eltern, die Feuerwehr, die Verwaltung)? 

Frau Pausch: Wir betrachten diesen Fragenkatalog als Anregung dafür, im neuen Schuljahr einige Tipps für Eltern auf unserer Homepage zu veröffentlichen: 

  • Bleiben Sie möglichst ruhig – Kinder orientieren sich an Ihrem Verhalten.
  • Bringen Sie sich und Ihre Kinder an einen sicheren Ort und befolgen Sie die Anweisungen der Einsatzkräfte.
  • Halten Sie Ihre Kinder möglichst immer in Ihrer Nähe und vereinbaren Sie einen Treffpunkt, falls Sie getrennt werden.
  • Erklären Sie die Situation altersgerecht und ehrlich, ohne unnötig Angst zu machen.
  • Nehmen Sie wichtige Dokumente, Medikamente, Wasser, etwas Verpflegung sowie benötigte Baby- oder Kinderartikel mit, wenn eine Evakuierung erforderlich ist.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Notfallvorrat auch auf die Bedürfnisse Ihrer Kinder abgestimmt ist (z. B. Babynahrung, Windeln, Kuscheltier).
  • Informieren Sie sich über offizielle Warnungen und Handlungsempfehlungen (z. B. über Warn-Apps oder Behörden).
  • Üben Sie mit Ihrer Familie einfache Notfallabläufe, damit alle wissen, was im Ernstfall zu tun ist.
  • Versuchen Sie, den Alltag Ihrer Kinder auch in einer Krisensituation so gut wie möglich aufrechtzuerhalten (z. B. feste Essens- oder Schlafenszeiten).
  • Sprechen Sie nach dem Ereignis über das Erlebte und achten Sie auf Anzeichen von Belastung oder Ängsten bei Ihren Kindern. Bei anhaltenden Beschwerden kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein.

Hinweis: Das BBK stellt seit 2011 gezielt Informationsmaterial für Kinder bereit. Die Angebote richten sich hauptsächlich an die Altersgruppe der Sieben- bis Zwölfjährigen. Die Kinder erhalten Informationen über das deutsche Hilfeleistungssystem (z. B. Rettungsdienst und Feuerwehr) sowie über ehrenamtliche Tätigkeiten. Vor allem aber sollen sie Ängste vor Notfällen und Katastrophen abbauen und ihre Selbsthilfefähigkeit stärken.(Quelle: www.bbk.bund.de9

Für weitere Informationen besuchen Sie gerne die Webseite der BBK: Für Kinder und Lehrende - BBK